Es ist nie nichts

Vor nicht allzu langer Zeit gehörte ich noch zur Kategorie der leidenschaftlichen Langschläfer. Wenn sich hier nun mancher denkt, ich hätte eben ab und an mal bis in die Mittagsstunden in den Federn gelegen, irrt er. Denn ich konnte schlafen, bis die Sonne wieder unterging und dies ist, ausnahmsweise, keine Hyperbel. Nicht ganz unerheblich war natürlich auch die Tatsache, dass ich mir (mit herzergreifendem Eifer) stets gerne die Nächte um die Ohren geschlagen habe. Dies jedoch nicht immer ganz sinnfrei, denn es stellte sich heraus, dass meine Konzentrations- und Lernfähigkeit zu später Stunde regelrecht aufblüht.

Skeptisch, wie ich eben bin, wollte ich dem Phänomen natürlich auf den Grund gehen und zerbrach mir den Kopf, welche günstigen Umstände es wohl genau waren, die mir zu solch unchristlicher Uhrzeit bisher unbekannte Kräfte verliehen. Akkurat, wie ich eben auch bin, habe ich selbstverständlich eine detaillierte Aufstellung der zahlreichen verschiedenen Faktoren erstellt, die ich dem Leser hier nur wirklich ungern vorenthalte; doch fürchte ich, mit der Offenbarung des wahren Ausmaßes meiner Zwanghaftigkeit an einem Praxisbeispiel meinem persönlichen Umfeld mehr zuzumuten, als es zu verkraften bereit ist.

Also sinnierte ich ein Weilchen, in dem Bemühen, die umfangreiche Liste möglichst effizient und kompakt zusammenzufassen. Sowas widerstrebt mir stets, denn ich bemühe mich eigentlich dauerhaft, meiner naturgegebenen Tendenz zur Redundanz die Stirn zu bieten; daher befinde ich meine Niederschriften bereits generell für ausreichend „kurz“. Soll heißen, dass die Anzahl aller Worte nicht höher ist als notwendig, im Sinne der korrekten und angemessenen Wiedergabe des Inhalts (bzw. der Informationen).

Ausschlaggebend für meine ungewöhnliche nächtliche Leistungsfähigkeit sind keine physischen Umstände. Mag sein, dass Dunkelheit und Stille einen beruhigenden Effekt haben, doch diese Elemente gehören nur zur Kulisse. Was dahintersteckt, ist tatsächlich ein Gefühl.

Im hektischen Alltagsgeflecht bin ich andauernd und überall von Menschen umgeben. Alles ist laut und geschäftig, es sind Pflichten und Anforderungen zu erfüllen. Doch spät abends, wenn sich die Lichter in den Fenstern der Häuser löschen und der rege Verkehr zu einem vereinzelten Rauschen abklingt und statt der Stimmen der Menschen und dem üblichen Geräuschpegel bisweilen nur das verschlafene Schuh eines Uhus oder ein kurzer, aber stets heftiger, Streit zwischen streunenden Katzen zu hören ist – dann fühle ich mich selbst. In meinen vier Wänden kommt nichts an mich heran, was ich nicht lasse und ich habe ein paar Stunden lang die fadenscheinige Illusion, der einzige Mensch auf der Welt zu sein. In diesen wenigen zauberhaften Stunden verspüre ich keinen Druck; weder den gesellschaftlichen noch den akademischen. Ich kann mich sorglos entfalten.

Doch bedauerlicherweise – die Ruhe ist ja bekanntlich nur Vorbote eines Sturms – plagt mich seit Neuestem ein ganz neues und definitiv weniger erfreuliches Phänomen: Ich kann nicht mehr ausschlafen. Einfach so, ganz plötzlich, quasi von heute auf morgen. In den frühen Morgenstunden, die ich doch bisher, die nächtlichen Strapazen des Lernens oder Schreibens durch Schlaf kompensierend, so erholsam und regenerativ zu nutzen wusste, bin ich nun hellwach. Schon in dem Augenblick, in dem ich das Bewusstsein erlange, bin ich voll funktionstüchtig. Da arbeiten auf einmal verkommene, bösartige Gehirnzellen, deren Existenz sich mir bislang nicht bemerkbar gemacht hatte. Als würden sie die Erschöpfung ausnutzen und geduldig ausharren, um mich im verwundbarsten Moment zu attackieren.

Mein Körper benötigt seine, über die Jahre angewöhnte, außergewöhnlich großzügige Dosis Schlaf und lässt die Tortur des Entzugs nicht unbedingt kampflos über sich ergehen. Infolgedessen plagen mich chronische Rückenschmerzen und, neuerdings, auch Durchblutungsstörungen. Die Konzentration ist auch nicht mehr annähernd das, was sie einmal war. Verdenken kann man es ihm wohl nicht, obgleich ich doch selbst keine Schuld an unserem Dilemma trage.

Anfangs dachte ich, es wären nur ein paar schlechte Tage/Morgen/Nächte gewesen. Der falsche Fuß und so. Früher oder später wäre ich zweifellos sowieso derart erschöpft, dass ich ganz automatisch wieder in alte Muster zurückfalle, dessen war ich mir sicher. Man möge sich vorstellen, wie ungehalten ich war, als das ausblieb. Eine sehr milde Formulierung im Kontrast zu meinem erschöpfungsbedingt recht aggressiven und impulsiven Gemütszustand – alles rein temporär, wie ich hoffe.

Doch mein plötzlicher Neugewinn an wertvoller, vielseitig nutzbarer zusätzlicher Zeit im (stets müden) Wachzustand hat es mir prompt erlaubt, meiner liebsten, und auch nervenaufreibendsten, Beschäftigung nun auch frühmorgens nachgehen zu können – der Analyse der Problematik.

Aufstellung einer Statistik über mein gestörtes Schlafverhalten und zwei Säulendiagramme später erschlossen sich mir allmählich die ungünstigen Umstände, die mir so gnadenlos den wohlverdienten Schlaf rauben.

Bahnbrechende Wende: Es sind tatsächlich die Sorgen. Absolut lächerlich.

Der erste Gedanke, der mich zwischen Tiefschlaf und Bewusstsein überfällt, ist immer ein ganz besonders übler. Er schafft dann bereits die unheilvolle Basis für die ersten Anflüge von Lebensmüdigkeit. Wer steht gerne aus dem Bett auf, wenn ihm schon frühmorgens ein gedankliches Geflecht aus bedrohlich aufgebauschten Problemen im Kopf herumschwirrt? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Liegenbleiben und sich unter der Decke vergraben die Gans erst so richtig fett machen, denn dadurch löst sich kein Problem. Also stehe ich auf, um in die Schlacht zu ziehen; auf jeden Fall die bessere Alternative zur masochistischen Grübelei.

An diesem tristen Sonntagmorgen war ich besonders ernsten Gemütes und hatte plötzlich einen erschreckenden Einfall: Ist das vielleicht jetzt einfach so? Auf Dauer? Chronisch? Ist unsere Generation im heutigen Zeitalter vielleicht so überfordert, und das auf realer und – zusätzlich! – virtueller Ebene, dass wir dazu verdammt sind, ab Anfang zwanzig nicht mehr ruhig schlafen zu können? Existenz- und Zukunftsängste sind, aller signifikanten Fortschritte im wirtschaftlichen, bildungstechnischen und sozialen Bereich zum Trotz, allgegenwärtig. Es herrscht eine gewisse Erwartungshaltung, die es zu erfüllen gilt und man setzt sich selbst immer höhere Ziele, um sich zu fördern und seine Grenzen auszuloten, zur besseren Anpassung an eine Gesellschaft in stetem rapiden Wandel. Mir käme nicht ein einziger Part meiner Selbst in den Sinn, an dem es nichts zu optimieren gäbe. Man ist doch eigentlich wirklich niemals frei von unangenehmen, zweifelnden Gedanken. Es geht immer noch ein Stückchen schneller, ein Stückchen besser. Meine Prognose diesmal ist keine rosige; es wird nie wieder nichts geben, was einen beschäftigt. So großzügig ist das Leben nicht.

Doch gerade, ausgelaugt und niedergeschmettert wie ich heute bin, habe ich wahrhaftig das erste Mal seit ich überhaupt denken kann nur noch einen einzigen, alles überschattenden Gedanken: Schlaf. Mich juckt kein Ehrgeiz mehr in den Fingern und meine Sorgen können mich gerne an einem anderen Abend besuchen. Ich möchte heute nur ein Stückchen besser, und vielleicht ein Stückchen länger, schlafen.

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Übersetzen, das

Die Kunst des Übersetzens ist eine wirklich facettenreiche. Es gilt zahlreiche verschiedene Faktoren zu beachten und setzt ein gewisses Hintergrundwissen, in Einigkeit mit ausreichend sprachlicher Fertigkeit, voraus. Ich erinnere mich genau, wann ich zum ersten Mal den unbändigen Wunsch verspürte, fremde Sprachen zu beherrschen. Damals mag ich vielleicht elf Jahre gewesen sein und hatte die seltsame Angewohnheit, die verschiedensprachigen Gebrauchsanweisungen der Etiketten jedes Produktes, das sich im Haushaltsinventar befand, zu studieren und auswendig zu lernen.

Bereits damals, nahezu ohne großartige Fremdsprachenkenntnisse, erkannte ich den strukturellen Unterschied der Texte zueinander. Während im Deutschen (das eine stark von Komposita geprägte Lexik aufweist, wie ich heute weiß) beispielsweise eine Zutat häufig mit einem einzigen zusammengesetzten Wort bezeichnet werden kann („Weizenmehl“), weisen die meisten anderen Sprachen insofern Besonderheiten auf, dass für die Beschreibung der Zutat zwei oder, teilweise, auch mehrere Wörter vonnöten sind („wheat flour“ im Englischen, „farine de froment“ im Französischen).

Ich hatte selbstverständlich keinen Schimmer davon, was meine Entdeckung eigentlich bedeutete oder in welchem Ausmaß sie die Interaktion im Bereich der Fremdsprachen beeinflusst. Doch seitdem gab es in meinem Leben, so glaube ich, nicht einen einzigen Tag, an dem ich nicht über das Mysterium Sprache nachgedacht habe.

Ab und an stellte ich mir eine riesige neblige Blase vor, prall gefüllt mit Wörtern und Formulierungen, Redewendungen und Satzbausteinen, die einfach so durch die Lüfte wabert. Sie drängt sich zwischen den Menschen auf den Straßen hindurch, an Bahnhöfen hüpft sie schwerelos über den Massen und in den Büros rollt sie langsam, schwerfällig und gelangweilt, über den Teppichboden und jeder einzelne bedient sich ihrer hin und wieder. Streckt seine Hand aus, greift durch die geleeartige Membran der Blase ins Innere und sucht ein Weilchen nach etwas Passendem, zieht die volle Hand wieder heraus und verarbeitet sprachlich eben das, was er zu fassen bekommen hat.

Diese Illusion weist tatsächlich einige Parallelen zur Realität auf: Möchte der Mensch sich mitteilen, hat er zuallererst den Gedanken mit der Information im Kopf, die er zu übermitteln gedenkt (ganz gleich ob schriftlich oder mündlich). Diese muss jedoch eine Verwandlung durchlaufen, bevor sie ausgedrückt werden kann: Sie muss in Worten Gestalt annehmen und da beginnt auch schon das Stochern nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.

Unter allen bekannten Wörtern aus dem individuellen Wortschatz, der je nach Bildungsgrad einen breiten bis immensen Umfang hat, muss die Formulierung gefunden werden, die nicht nur die Botschaft faktisch korrekt vermittelt, sondern auch die passende Umschreibung, die den Ton angeben soll, um mit der Information den gewünschten Effekt zu erreichen oder sie dem Ambiente anzupassen.

Trotz blühender und unaufhörlich arbeitender Fantasie gelingt es mir – verflucht sei meine Zwanghaftigkeit! – wohl nie ganz, die Verbindung zur Realität auch nur ein Minütchen lang lückenlos zu kappen. Daher bin ich auch nicht der Fantasy- oder Science-Fiction-Rubrik größter Fan. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich beim Lesen und Hineinversetzen in solche Geschichten verdammt unwohl. Das passt einfach nicht zu mir; ich habe auf Ebene der Realität bereits genug, worüber ich mir Gedanken machen muss. Wieso meinen Verstand auch noch fiktiven Welten öffnen? Ich müsste ja verrückt sein, um mich freiwillig derart zu belasten.

Beim Übersetzen spielen mir meine allgemeine Zwanghaftigkeit und mein Perfektionismus jedoch – ausnahmsweise – in die Hände. Wie bereits erwähnt, befasst man sich ja den Großteil seines Lebens damit, Informationen durch Worte zu übermitteln. Sollen die Informationen jedoch in verschiedenen Sprachen korrespondiert werden, verändert sich das Prozedere ein wenig. Grundlegend geht es immer noch darum, Fakten ein entsprechendes sprachliches Äquivalent zuzuordnen. Nur spielt sich dieser Vorgang nicht mehr auf der Ebene von Gedanke zu Sprache ab, sondern meist rein auf den verschiedenen sprachlichen Ebenen untereinander. Die Botschaft ist bereits in der Ausgangssprache ausgedrückt, muss also in die Zielsprache(n) transformiert werden. Hierbei geht man in den seltensten Fällen wortwörtlich vor, wie bereits oben bei dem Beispiel der Zutaten herauszulesen war.

Der wichtigste und nützlichste Bestandteil einer Übersetzung ist ihr Kontext. Um welche Textsorte handelt es sich? Ist es ein Fachtext? Dabei ist auch zu beachten, stets zielgruppenorientiert zu verfahren. Im Werbetext eines Kondomherstellers ist der Ton ein grundlegend anderer als der eines wissenschaftlichen Artikels in einer Medizinzeitschrift. Im Detail hilft der Kontext bei der Auswahl passender Formulierungen oder, gegebenenfalls, diverser Synonyme. Um ein Beispiel anzuführen bleibe ich im Fachbereich der Medizin und nehme das Wort „Brustkorb“. Ein einfaches zusammengesetztes Wort, das vermutlich jeder Laie kennt oder zu verstehen vermag. Ist der Begriff jedoch in einen überwiegend, oder auch rein wissenschaftlichen Kontext eingebettet, katapultiert einen das unmittelbar auf die terminologische Ebene, also die der Fachsprache, und es wird auf die dort genormten Wortentsprechungen zurückgegriffen. Somit würden wir vermutlich das fachsprachliche (und somit weniger verbreitete) Synonym auswählen: den „Thorax“.

Bei derart spezifischen Texten ist die Übersetzungsarbeit meist Recherche, da es doch recht häufig um die exakten Äquivalente technischer Begriffe geht.

Ebenso wichtig wie das Anpassen an die Anforderungen der Zielgruppe ist es, die Intention des Autors zu hinterfragen und erkennen.

Weniger formelle Texte konfrontieren den Übersetzer häufig mit Redewendungen oder Sprichwörtern. Hier gilt die Faustregel: MEISTENS ist die zielsprachliche Entsprechung keine wortwörtliche, nicht mal eine ähnliche. Hier stur jedes Wörtchen einzeln zu übersetzen ist nicht nur fruchtlos (weil sinnfrei), sondern oft auch eine schwere Blamage, da es vom Mangel an Flexibilität und, irgendwie, Hilflosigkeit zeugt.

Das habe ich schmerzlich am eigenen Leib erfahren müssen, als ich mich, törichterweise, Anfang letzten Jahres dazu entschloss, eine deutsche Redensart („Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß.“) wortwörtlich ins Italienische zu übersetzen. Ich habe dann auf die ziemlich unsanfte Tour herausfinden müssen, dass sich die südländischen Wortkünstler ihre ganz eigene Version davon zusammengeschustert haben: „Occhio non vede, cuore non duole.“ Übertragen ins Deutsche hieße dies wohl: Was das Auge nicht sieht, schmerzt nicht dem Herzen. Somit war meine penible Übersetzung absolut lächerlich und ich für alle Zeiten von meiner Demütigung gebrandmarkt.

Ist all diese Vorarbeit geleistet, geht es nun in spaßigere Gefilde, denn nun darf man (bedingt) nach persönlicher Präferenz übersetzen: Mit all den gesammelten Informationen und Bausteinchen das Puzzle zusammensetzen. Eventuell Formulierungen ersetzen, den Satzbau umstrukturieren oder sogar Stilmittel einbauen.

Eine Übersetzung ist immer eine Übertragung von etwas bereits Existentem. Dies mag per se, zumindest aus literarischer Sicht, nicht unbedingt die kreativste aller Künste sein, doch ist sie machtvoller, als die meisten vermuten würden. Denn der Übersetzer ist nicht Verfasser des Inhalts und somit jeder Kritik daran erhaben. Trotzdem kann er in (fremde) Texte seinen eigenen Stil einarbeiten und ihnen einen unaufdringlichen, aber wahrnehmbaren persönlichen Touch verleihen.

Akzeptanz und ihre Früchte

Ein brillanter Mann hat mir vor Kurzem gesagt, dass der erste Schritt zur Selbstoptimierung ganz simpel sei: sich selbst zu akzeptieren. Mit allen Schwächen und Unsicherheiten, Zweifeln und Ängsten. Und sich das auch stetig vor Augen zu halten.

Ich habe ein gigantisches Problem mit Pflichten und Verantwortung. Nicht nur ein Mal habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen und bin mir uneinig mit mir selbst über die Ursprünge dieses Defizits. Der brutal rationale Teil meiner Selbst, den ich oft so rücksichtslos geflissentlich ignoriere, scheint zu schreien: „Autoritätsprobleme!“. Doch so trotzig und impulsiv bin ich nicht, das kann es nicht sein. Ich bin durchaus in der Lage, Autoritäten zu respektieren und ich bin stets überaus höflich. Besteht allerdings ein Grund dafür, den Respekt an der Autorität oder der Beschaffenheit ihrer Machtausübung zu überdenken, kommt durchaus schon mal meine rebellische Ader zum Vorschein. Diese Verhaltensweise steht in absolut keiner Relation zu der primitivsten aller Reaktionen, dem Trotz. Trotz auszuleben mag dem Betroffenen für kurze Zeit das Gefühl tiefster Befriedigung verschaffen, zieht auf lange Sicht aber leider kaum mehr als gravierende Nachteile mit sich. Meinen innerlichen Trotz habe ich nie ganz überwinden gelernt, doch weiß ich ihn mittlerweile zu rationalisieren: Könnte ich die Trotzreaktion auch mit Worten und Argumenten verteidigen, ohne wie ein Kind zu klingen? Wenn ja, sehe ich meine intuitive Regung als fundiert und gehe ihr weiter nach. Falls dieser Leitsatz aber nicht zutrifft, bemühe ich mich mit aller Kraft, das ungerechtfertigte Gefühl zu unterdrücken.

Wenn meine Gedanken zu meiner Schulzeit abschweifen, kommt mir vorrangig eine ganz bestimmte Lehrerin in den Sinn. Sie war eine ausgesprochen maskuline Frau um die Fünfzig mit einem unnatürlich durchtrainierten, sehnigen Körper und der tiefsten und rauchigsten Stimme, die ich bis heute jemals bei einem weiblichen Individuum gehört habe. Trotz ihres androgynen Erscheinungsbilds bemühte sie sich augenscheinlich krampfhaft um eine femininere Ausstrahlung: Ihr kinnlanger Bob war weißblond gefärbt (stets begleitet von mehreren Zentimetern dunkelstem Ansatz) und ihre Lippen und Nägel waren einheitlich signalrot. Es war in etwa so, als würde man eine landwirtschaftliche Farm in der kargen Wüste erblicken – und plötzlich schießt ein bunter gläserner Wolkenkratzer zwischen Strohdach und Kakteen aus dem Boden; ein durch und durch verstörendes Schauspiel.

Mit der Zeit begann sich immer deutlicher herauszukristallisieren, dass besagte Dame offenbar nicht nur ein Problem mit sich selbst hatte, sondern auch eine tief verankerte Abneigung gegen weiblichere Zeitgenossinnen. Dieser Groll beschränkte sich natürlich nicht auf die Gesamtheit des weiblichen Geschlechts, sondern lediglich auf die paar glücklichen Auserwählten, die es nicht nur wagten, feminin aufzutreten, sondern auch noch zusätzlich eine ordentliche Portion Talent hatten. Das ging ihr absolut gegen den Strich. Ich vermute, ihre Verbitterung über die eigene subjektive „Unzulänglichkeit“ hat sie eben nicht dazu bewegt, sich selbst zu hinterfragen, sondern jeden anderen, der das ausstrahlte, was sie doch immer so sehr hatte ausstrahlen wollen. Im Laufe der Monate war das Selbstvertrauen der betroffenen Personen durch andauernde ungerechtfertigte Sticheleien derart porös, dass sie begannen, sich  (unnötigerweise) tatsächlich selbst zu hinterfragen. Es ist faszinierend und furchteinflößend zugleich, was eine einzelne unzufriedene und unreife Person in einer Machtposition zu erreichen vermag. In dieser Situation war ich erstmals im Leben, im zarten Alter von dreizehn, verunsichert wegen meines Aussehens. Ich konnte noch so große und beeindruckende Leistungen erbringen, dieser bittere Beigeschmack blieb mein stetiger Begleiter.. bis heute.

Die wertvollste Lektion, die mich das Leben gelehrt hat, ist die der Selbstreflektion. Ich finde, sie ist die Basis für Charakterstärke, oder eben -schwäche. Für mich beschreibt das Wort „charakterschwach“ eine Person, die durchaus die sozialen Voraussetzungen und auch den notwendigen Weitblick besitzt, um aus sich selbst das Beste herauszuholen, dies aber nicht tut. Manche Menschen nutzen diese soziale Intelligenz, um sich persönlich zu optimieren, andere sind der festen Überzeugung, sie müssten damit den Rest der Menschheit belehren.

Eine Person, die mit sich im Reinen ist, hat nicht das Bedürfnis, andere zu vermeintlichen Verbesserungen anzuhalten. Mit der richtigen Dosis Selbstbewusstsein sollte einem bewusst sein, dass man lediglich für sich selbst verantwortlich ist.

Und, ganz ehrlich, ist das nicht schon genug Arbeit?

Sobald man alles Menschenmögliche unternommen hat, um an seinen Schwächen und Stärken zu arbeiten, bleibt einem nur noch die einzig logische Schlussfolgerung: Man hat sein Bestmögliches gegeben und akzeptiert alle verbleibenden Unzulänglichkeiten. Es ist kontraproduktiv, sich für Dinge zu schelten, die man, trotz aller Bemühungen, nicht ändern kann, denn es ruft nichts anderes als Frust hervor. Und Frust stellt der Kreativität gerne mal ein Bein.

Obsession oder Perfektion?

„Spezialisten sind Leute, die nur eine Saite auf ihrer Fiedel haben.“

(Henry Miller)

Sprache ist ein wirklich außergewöhnliches Phänomen. Sie ist ein individueller Vermittler, der uns dazu befähigt, unserem tiefsten Inneren Ausdruck zu verleihen und es gezielt nach außen zu tragen. Wir sind im Stande, unsere Gefühle und Gedanken gezielt in Worte umzuwandeln und damit die unterschiedlichsten Reaktionen zu provozieren oder Ergebnisse zu erreichen. Diese machtvolle Form der Ausdrucksweise ist Zauberstab und Waffe zugleich, denn es bleibt jedem selbst überlassen, wie er sie nutzt. Ob schriftlich oder gesprochen, Worte können ein Instrument mit ungeahnter Reichweite sein.

In der Sprachwissenschaft schätzt man, dass der Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache sich auf etwa 300 000 bis 500 000 Wörter beläuft.

Man unterscheidet jedoch zwischen dem produktiven (aktiven) Wortschatz, der bei einem durchschnittlich gebildeten Deutschen etwa 12 000 bis 16 000 Wörter umfasst (3 500 davon Fremdwörter) und dem rezeptiven (passiven) Wortschatz, dessen Fassungsvermögen bei etwa 50 000 Wörtern liegt.

Ersterer betrifft alle bekannten, erlernten Wörter, auf die jederzeit und in jeder Situation zugegriffen werden kann, um sie im täglichen Gebrauch anzuwenden. Dieser Wortschatz bildet das „Grundgerüst“ der sprachlichen Kompetenz und bestimmt das Level der Kommunikationsfähigkeit.

Letzterer ist stets deutlich umfangreicher, da er sich auf die Wörter oder Wortkombinationen beschränkt, die – auf Basis des aktiven Wortschatzes – verstanden werden, aber nicht notwendigerweise selbst produziert werden können.

Im Studium des Übersetzens bin ich unglaublich viel mit Terminologie konfrontiert. Der Begriff Terminologie beschreibt die Gesamtheit der Benennungen und Begriffe im Bereich der Fachsprachen. Dies dient den Spezialisten eines Fachgebiets als einheitliches genormtes Vokabular und vereinfacht die Kommunikation untereinander durch die Standardisierung einer eigenen Fachsprache. Einfach ausgedrückt handelt es sich um Fachjargon.

Ich bin die Tochter eines Ingenieurs und einer Dentalhygienikerin, daher gehören „Fachwörter“ wie Druckflusstechnik und Paradontitis zu meinem rezeptiven Wortschatz: Diese Wörter müssen also nicht erst gelernt worden sein, um begriffen zu werden. Es existieren folglich schon ausreichend mentale Verknüpfungen, um das Wort intuitiv richtig einordnen und verstehen zu können. Mein bereits existenter „Fachwortschatz“ in diesem Bereich bildet eine spärliche aber solide Basis, einen nützlichen Kontext, der automatisch kontinuierlich ausgebaut und gefestigt wird.

Beim Schreiben gilt für mich eine Art persönliches oberstes Gebot: mein Ziel ist es niemals, meine Ausdrucksweise oder meinen Wortschatz zu präsentieren. Ganz im Gegenteil, tatsächlich ist schreiben der einzige Weg, mich möglichst effizient stetig zu verbessern. Jeder einzelne Satz, jede Formulierung, die ich kreiere durchläuft einen einzigartigen gedanklichen Prozess. Die Absicht, etwas Bestimmtes auszudrücken ist immer gepaart mit dem dringenden Bedürfnis, die Botschaft exakt so rüberzubringen, wie sie auch ankommen soll. Vorab überlege ich also, was genau ich denn wem auf welche Art und Weise mitteilen möchte, um mit meinen Worten den gewünschten Effekt zu erreichen. Im nächsten Schritt wende ich mich meinen persönlichen geschmacklichen Präferenzen zu: Gefällt mir der Satzbau und die -stellung? Stehen adäquate Redewendungen zur Auswahl? Formuliere ich eher nüchtern oder malerisch, und finde ich möglicherweise noch passendere Synonyme?

Sobald ich diesen kurzen inneren Kampf mit mir ausgetragen habe, folgt das, was ich „Kontexteinbettung“ (dies wäre vermutlich ein perfektes Beispiel für ein dem rezeptiven Wortschatz zugeordneter Begriff) nenne: Meinen mühevoll ausgearbeiteten Satz passe ich nun, formell und inhaltlich, an die restliche Textstruktur an. Noch ein prüfender Blick über mögliche ortografische Leichtsinnsfehler und ich bin, meist, zufrieden.

Es ist keinesfalls so, als würde ich stundenlang über den Satzstrukturen eines jeden meiner Texte brüten; der beschriebene Prozess hat sich mit zunehmendem Alter und Erfahrung mit dem Schreiben selbst optimiert und dauert mittlerweile normalerweise kaum länger als eine Minute. Bisweilen verschiebe ich ihn sogar bis ans Ende eines ganzen Absatzes, wenn ich einen inspirierten Schreibfluss nicht unterbrechen möchte oder einfach nur rasch wichtige Inhalte festhalten will.

Mag sein, dass dieses Verhalten potenziell zwanghaft ist, doch so funktioniert mein individueller kreativer Prozess und ich profitiere davon unbeschreiblich. Oft passiert mir, dass ich meine eigens verfassten Texte nach einer gewissen, teilweise wirklich kurzen, Zeitspanne erneut betrachte und mich innerlich geißele. Ich würde am liebsten nahezu jeden Satz einzeln komplett umschreiben oder die gesamte Textstruktur neu ausarbeiten. Es kommt mir vor, als hielte ich die Schriften eines unfähigen Fremden in der Hand und doch bin ich mir der Tatsache erschreckend bewusst, dass ich sie durchaus selbst verfasst habe und ich bin deswegen wirklich oft verärgert. Über mich selbst, versteht sich.

Doch das gehört zu meinem ganz persönlichen Optimierungsprozess und schon während ich diesen Satz tippe, verbiete ich mir innerlich, diesen Text jemals wieder durchzulesen. Ich würde vermutlich binnen weniger Minuten den Post löschen und durch eine vollkommen neue Version ersetzen, daher bitte ich bereits vorab um Nachsicht: Sprache ist für mich ein bitterernstes Thema.

Kontext

Da ich zum ersten Mal damit konfrontiert bin, mit Worten ein Bild von mir selbst zu zeichnen, bin ich doch etwas unschlüssig, wie ich denn meine Persönlichkeit bestmöglich beschreiben soll. Doch dazu fällt mir direkt etwas ein: ich bin vermutlich der Selbstvermarktung größter Feind. Jegliche Art gekünstelter Autopräsenz oder Gefallsucht sind mir absolut zuwider. Ich bin sehr aufmerksam im zwischenmenschlichen Bereich und kann Menschen sehr gut lesen, deswegen erkenne ich so etwas meist augenblicklich und bemühe mich fortan, die betreffende Person möglichst zu meiden.

Mit zweiundzwanzig, und einem geistigen Alter von gefühlt achtundvierzig, habe ich bereits ein paar Selbstveränderungsprozesse durchlaufen und bin mittlerweile mit meiner Einstellung, meinen Werten und Ansichten größtenteils absolut im Reinen, was mich sehr meinungsstark hat werden lassen. Außerdem bin ich ein sehr höflicher und manierlicher Mensch. Meiner Meinung nach gibt es keinen besseren Grundstein für ein glückliches und harmonisches Leben als der respektvolle Umgang miteinander.

Zu meinen Schwächen gehört wohl, dass ich „ zeitweise sehr ungeduldig“ sein kann, habe ich mir sagen lassen. Münchner Straßenverkehrsteilnehmer könnten das vermutlich bezeugen, also gebe ich es offen zu.

Dort studiere ich Übersetzen und Dolmetschen der Sprachen Italienisch und Französisch mit Fachschwerpunkt Recht, weshalb mein Alltag meist von fremden Kulturen beherrscht wird, was mir aber durchaus sehr gut bekommt, da mir die deutsche Mentalität kein bisschen zusagt. Meine Eltern sind in Rumänien geboren und aufgewachsen, haben mich in Deutschland zur Welt gebracht und aufgezogen und doch gehört mein Herz nur Italien. Mein Traum ist es, einmal ein abgelegenes Landhäuschen in Süditalien zu besitzen, umgeben von nichts als Weinbergen. Meine Tage bestünden hauptsächlich daraus, meine Geschichten auf einer antiken, aber funktionstüchtigen Schreibmaschine zu Papier zu bringen. Etwas in den Händen zu halten habe ich dem flimmernden Bildschirm schon immer vorgezogen.

Ich bin der Überzeugung, dass man jemanden der schreibt eigentlich nur wirklich beurteilen und einschätzen kann, indem man darauf achtet, was er schreibt und wie er schreibt. Anhand seiner Ausdrucksweise erkennt man seine Erfahrungen, man spekuliert über diese und jene mögliche Ansicht eines bestimmten Themas und konfrontiert den Blickwinkel des Autors mit anderen möglichen. Und genau so fügen sich allmählich einige Puzzleteile zusammen und ergeben ein stets unvollständiges und wackliges,  aber durchaus erkennbares Bild ab. Dieses Bild, so behaupte ich steif und fest, erzählt mehr über einen Menschen, als er jemals freiwillig preisgeben würde. Ich kenne mein Bild nicht – dazu ist kein Individuum auf der Welt ausreichend selbstdistanziert – doch ich denke, es ist der einzige passende Schlüssel zu meiner echten Persönlichkeit. Worte vermögen das nie auszudrücken.

Kommunikation (?)

Heutzutage ist es nicht mehr ganz so einfach, sich in der Gesellschaft von anderen abzuheben. Wir leben in einer Generation, deren Standards und Werte sich innerhalb kürzester Zeit in eine komplett andere, bisher unbekannte Richtung entwickelt haben.

Das Internet ist im Grunde eine nützliche und tolle Sache. Meiner Ansicht nach bringt es jedoch oft das Schlechteste im Menschen zum Vorschein: Wir wiegen uns in einem – scheinbar – sicheren und anonymen virtuellen Netz, das seine abertausend feinen Fäden unaufhörlich um uns herum spinnt. Doch was anfänglich wegen seiner neuartigen Anonymität gepriesen wurde, ist mittlerweile in beinahe aufdringliche Transparenz umgeschlagen. Nun, da jedem einzelnen die Möglichkeit offensteht, sich zu präsentieren, auszudrücken, sich Gehör zu verschaffen und sich auch wahrgenommen zu fühlen, ist das Niveau ein ganz anderes. Wer sich wirklich mitteilen möchte, der erwartet auch ein Publikum, denn was bringt es andernfalls, sich überhaupt einzubringen, wenn die Anknüpfung, das Feedback fehlt?

Dem ehrgeizigen talentierten Menschen von heute bleiben nicht viele Optionen: gnadenlose egozentrische Selbstvermarktung (wobei das Hauptaugenmerk oft entweder auf Nacktheit oder Geld liegt), beispielsweise auf Instagram so praktiziert, oder der Versuch, sich unter unzähligen sogenannten „Blogs“ zu etablieren.

Offen gestanden, habe ich absolut keine Ahnung von Blogs. Eine  Bekannte sendete mir vor Kurzem einen Link zu den „Blogs“ einiger Freunde, mit der Anmerkung, wie toll sie den Inhalt doch finde. Besagte Bekannte ist, wie ich, eine Übersetzungsstudentin und legt üblicherweise, wie eben auch ich, besonderen Wert auf korrekte Sprachführung. Neugierig und gespannt öffnete ich also neulich abends besagte Links, überflog das Geschriebene und blieb absolut sprachlos zurück. Tatsächlich war ich zutiefst entsetzt. Die Einführung, quasi das Intro der Personen, lautete – verallgemeinert – in etwa so:

„Also, ich weiß nicht so genau, was ich hier eigentlich schreiben soll, möchte aber unbedingt im Internet präsent sein, daher folgen hier, völlig zusammenhanglos und frei von jeglichem Kontext, ein paar meiner Eindrücke auf Reisen. Über meine Person möchte ich hier auch nicht so viel erzählen, eigentlich überhaupt nichts, aber sollte es jemanden interessieren, wer sich hinter meinem Pseudonym verbirgt, kann er mir gerne persönlich schreiben.“

Wenn ich erst nach etwas suchen muss, das ich kommunizieren möchte, dann kann ich es gleich für mich behalten. Es gibt ein sprachliches Phänomen, das ich persönlich als „Wortkotze“ beschreibe. Diesen Begriff habe ich einst bei einem meiner liebsten Schriftsteller gelesen und seine Beschreibung war in etwa diese: Worte, die einem in gespenstischem Ausmaße im Kopf herumspuken und dringend niedergeschrieben werden wollen, um die Gedankenwelt zu bereinigen. Für Außenstehende ist es eine bloße Aneinanderreihung willkürlicher Informationen, meist ohne Zusammenhang. Für den Schreiber jedoch ist es die Erleichterung schlechthin. Wortkotze mag in kleinen Dosen recht erfrischend sein, doch in einem Konzept wie dem der „Blogs“ wahrhlich fehl am Platz.

Abgesehen vom absolut lachhaften Inhalt der Seiten, schockierte mich an zweiter Stelle nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch die Zeichensetzung. Es geht nicht in meinen Kopf, wie man sich nicht schämen kann, derart redundante und überflüssige Inhalte ins Netz zu stellen, denen es nicht nur an Substanz, sondern auch noch an korrekter Form mangelt. Aber tatsächlich: Zahlreiche solcher Blogs kursieren – teilweise sogar unfassbar erfolgreich – im Internet. Der Begriff „Fremdscham“ bekommt hier für mich eine ganz neue Bedeutung, da die Leute offenbar noch stolz darauf sind und sich selbst kein bisschen hinterfragen. Übersteigertes Selbstbewusstsein ist – meiner subjektiven Meinung nach – das Kernproblem unserer Generation.

Dazu möchte ich keineswegs beitragen.

Seit ich lesen kann, schreibe ich und solange ich schreiben kann, bin ich ein glücklicher und freier Mensch. Zeit meines Lebens habe ich stets und ausschließlich für mich selbst und den privaten Gebrauch geschrieben. Doch wenn sich Personen, wie die oben erwähnte, erfolgreich mit ihren unverdient gepriesenen „Texten“ der breiten Menge präsentieren und, entsetzlicherweise, auch noch Zuspruch finden, dann ist es ebenso mein Recht.

Ich habe so viel Selbstvertrauen und -bewusstsein in meine Fähigkeiten und meine Person, und das bisher ganz ohne virtuelles Feedback, dass es mir vollkommen gleichgültig ist, wer meine Texte liest und wer nicht. Es ist auch nicht meine Intention, eine gewisse Zielgruppe anzusprechen oder eine Leserschaft zu gewinnen. Wenn ich schreibe, dann tue ich das für mich. Ich bringe Themen zu Papier, die mich beschäftigen und mit denen ich mich auseinandersetzen möchte. Falls tatsächlich jemand Gefallen daran finden sollte, freue ich mich maßlos, etwas mit meinen Worten erreicht zu haben. Einen Anstoß zum Nachdenken zu liefern.

Ferner möchte ich den Versuch starten, vielleicht wieder etwas Ernsthaftigkeit und Seriosität in den Bereich der virtuellen Kommunikation zu bringen und dazu anzuregen, nicht nur sich selbst, sondern einfach einmal alles um einen herum erneut zu hinterfragen. Zu einem gesunden Selbstbewusstsein braucht es immer noch eine gehörige Prise Selbstkritik. Diese beiden Zutaten, im richtigen Verhältnis abgewogen und kombiniert, schaffen die einzige Grundlage, nicht nur ein erfolgreicher, sondern auch ein beeindruckender Mensch zu sein. Wieso sollte nicht jeder versuchen, das Beste aus sich herauszuholen und das zu präsentieren, statt anzunehmen, man ist von Natur aus und ohne großes persönliches Zutun eine atemberaubende Persönlichkeit. Denn das sind die glorreichen Ausnahmen. Dazu zählt jedoch mit Sicherheit kein Teenager-Reiseblog mit willkürlichen Eindrücken in entsetzlicher Form, nein. Weshalb, in Gottes Namen, sich heutzutage an solchen Persönlichkeiten orientieren, statt einem Scott Fitzgerald oder einem Charles Bukowski? Ich möchte für Integrität und Meinungsstärke stehen, nicht für Urlaubsromanzen mit furchterregendem Satzbau.